Wie ich vier Jahre Bibelseminar erlebt habe
Ev.-luth. Militärkirchengemeinde St. Stephanus - Munster
Im Vorfeld hatte ich die Befürchtung, dass Wissen abgefragt oder Glauben geprüft wird; Angst, mich zu blamieren. Dem war überhaupt nicht so! Wir haben uns in den vergangenen 4 Winterhalbjahren alle 2 Wochen, also ca. 32 mal für jeweils 2 ½ Std getroffen. Dazwischen galt als Hausaufgabe Bibellesen, Seiten um Seiten, auch mal ein ganzes Evangelium. Wenn das nicht klappte, war`s nicht schlimm: es gab helfende zusammenfassende Arbeitsunterlagen, die durchaus Faulheit nachsichtig unterstützten. Wir machten uns abends noch vor den Nachrichten auf den Weg, anstatt die Füße hochzulegen, fernzusehen und im Warmen zu chillen. Dafür hatten wir aber das Glück, uns dort zu treffen. Wir waren fröhlich, haben gelacht. Jeder durfte (fast) immer ausreden, wir sind mal vom Thema abgeschweift, aber meistens dahin zurückgekehrt. Wir waren ernsthaft, schweigsam, kontrovers, aufmerksam lauschend, auch mal abgelenkt und nicht bei der Sache. Ebenso tief schürfend, fromm, auch albern und oberflächlich, aber eigentlich immer mit einem Augenzwinkern. Bibellesen hat sich als sehr mühsam erwiesen: Sprache, Ausdrücke, geschichtliche Hintergründe waren oft ungewohnt und unbekannt. Deren Bedeutung konnte aber zwangsläufig erst beim darauf folgenden Treffen erläutert werden. Das machte es mitunter spannend. Aber unser „Chef“ ordnete uns die Berichte der Bibel durch Eintauchen in die damalige Zeit. Er erklärte uns die für uns heute seltsamen Gebräuche, Gesetze und Rituale und brachte Geschichte und deren Zusammenhänge in die richtige Reihenfolge. Unser Verstehen der biblischen Geschichten wurde dadurch geweckt, dem Verständnis der Aussagen, deren Sinn sind wir näher gekommen. In der Bibel stehen Berichte, die wohl auf Tatsachen beruhen. Sie stellen das Leben der Menschen und das Wirken Gottes damals dar, die damalige Realität. Die Geschichten wurden in bestimmten Situationen zu unterschiedlichen Zeiten weitererzählt und aufgeschrieben und sind nur aus der jeweiligen Situation heraus zu begreifen. Das heißt, dass deren Aussagen immer wieder unterschiedlich interpretiert werden können und auch wurden. Aber ich bin mir ziemlich sicher geworden, dass das, was in der Bibel steht, tatsächlich so oder so ähnlich geschehen ist. Zweifel gehören zum Glauben dazu. Am Sonntag, den 11.2.2018, klang das Bibelseminar mit einem ernsten und fröhlichen Gottesdienst aus. Aus der Gruppe hieß es: „Wir machen weiter, wir lesen jetzt die sog. „verborgenen Bücher“, die Apokryphen. Die fehlen uns noch.“ So soll es denn im Herbst weiter gehen mit Büchern wie Jesus Sirach, der Weisheit Salomos und den Büchern der Makkabäer. Doch dazu später mehr. Text: Christian Annuß