Abschluss des Bibelseminars
Ev.-luth. Militärkirchengemeinde St. Stephanus - Munster
Abschluss des Bibelseminars „Es ist gut, mehr zu verstehen“, betete eine Teilnehmerin des Bibelseminars im Gottesdienst am 5. März im Gemeindehaus St. Stephanus. Manche unklare Stelle war klar geworden, sicherlich auch manches Selbstverständliche unklar. So ist das, wenn man sich ins Gespräch begibt in einer Gruppe von 11 Menschen, die mit ihrer Biographie und Glaubensgeschichte ganz persönlich und darum unterschiedlich an die Bibel herangehen. Nach dem Alten Testament in den Jahren 2014-2016 waren nun die vier Evangelien, die Apostelgeschichte und der erste Brief an die Thessalonicher, bzw. die Galater gelesen.  Jeder der acht Abende führte zu angeregten, oft unerwarteten Diskussionen über Gott und die Welt. Einer der Teilnehmer fragte, ob es eine Zusammenstellung der Weltreligionen und ihrer heiligen Schriften nach ihren Entstehungszeiten gäbe: Dann könnte man doch endlich wissen, wo Gott sich ursprünglich offenbart hat. Ich fürchte, dass auch eine solche Zusammenstellung einem die Entscheidung nicht abnimmt, das Wort zu hören, zu verstehen und zu glauben oder eben auch nicht. Ist das Neue Testament dem Alten überlegen? Diese Meinung ist verbreitet, aber gerade die Aufforderung zur Nächsten-, Selbst- und Gottesliebe steht im Alten Testament im 3. Buch Mose Kapitel 19. Auch das Neue Testament steht in seiner Zeit. Jesus wählt aus und hebt hervor. Die Taufe begründet die Freiheit eines Christenmenschen: „Nicht mehr Jude noch Grieche, Sklave oder Freier, Mann oder Frau, sondern allzumal einer in Christus“ (Brief an die Galater 3,28). Nicht mehr die Nation, die gesellschaftliche Stellung oder das Geschlecht sollen letzte Normen sein, sondern die Zugehörigkeit zu Christus. Relativiert christliche Freiheit alle gesellschaftlichen Normen und löst sie und die Gesellschaft damit destruktiv auf? Die Diskussion war lebhaft. Geht Gott eine Geschichte der Befreiung mit seinen Menschen bis zum heutigen Tag, die alle Normen und Unterschiede relativiert? Welche Freiheit ertragen wir Menschen? Das Wort Jesu aus der Bergpredigt „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch solches alles zufallen“ (Matthäus 6,33) stand im Zentrum des Abschlussgottesdienstes. Jesus ist sich gewiss, dass Gott verborgen herrscht über diese Welt.  Auch wenn Gott manchmal weit abwesend zu sein scheint, wirkt er. Die Kunst ist die zu entdecken, wo sein Reich der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung blitzartig aufscheint, nicht zu fragen, ob Gott ist oder nicht.  Im Herbst diesen Jahres am Mittwoch, den 27.9.2017 um 19 h, soll es weiter gehen, in die vierte und letzte Runde des Bibelseminars zu den Briefen und dem letzten Buch des Neuen Testaments, der Offenbarung des Johannes. Interessenten sind herzlich eingeladen, sich im Gemeindebüro St. Stephanus anzumelden. Jobst Reller