Ev.-luth. Militärkirchengemeinde St. Stephanus - Munster
Kammerchor Raggio di Sol Als am Samstag, den 19. August um 19.00 Uhr das Vokalensemble „Raggio di Sol“ (übersetzt: Sonnenstrahlen) mit Pierre Attaignants „Tourdion“  (1530) von hinten in die St. Stephanus-Militärkirche einzog, wurden die Hörer schon mit hineingenommen in die Atmosphäre des 16. Jahrhunderts. Mit den letzten Sonnenstrahlen, die durch die Westseite in das Kirchenschiff schienen, begann eine Reise in die Musik der Renaissance. Auswendig vorgetragen, mal französisch, spanisch, lateinisch, gelegentlich mit Blockflöten und Rhythmusinstrumenten bereichert, trug das Ensemble Kompositionen ganz unterschiedlichen Charakters vor. Nach dem schwungvollen ersten Stück war ein ganz melancholisches Werk von C. de Palacio (ca 1600) zu hören. Weiter ging es mit zwei Werken von J. de Encina (1469-1529), das eine ein fröhliches Trinklied und das zweite, „Triste Espana“, ausdrucksvoll und getragen, wurde vom Leiter des Ensembles, Alfredo Ihl, auf einer Gambe begleitet. Alfredo Ihl erwies sich in dem Konzert als Multiinstrumentalist, Solosänger und Tänzer wie bei der Pavane von T. Arbeau (1519-1595). Ein Höhepunkt im ersten Teil war das 12-minütige „El Fuego“ von Mateo Flecha (1481-1553), einem Werk mit stark kontrastierenden Teilen, daß sich dem Thema Buße und Erlösung widmete. Nach einer kleinen Pause erklang im zweiten Teil zunächst das berühmte „Verleih und Frieden“ von H. Schütz sowie eine Motette von M. Franck, um danach überzugehen in ein musikalisches Gedenken an Claudio Monteverdi, dessen 450. Geburtstag sich in diesem Jahr jährt. Raggio di Sol begeisterte das Publikum in wechselnden Kleinbesetzungen mit Madrigalen aus  „II quarto libro“ sowie einer Szene aus der Oper „L‘Orfeo“. Die kleine Zuhörerschar ließ sich von dem kultivierten, ausdrucksvollen Gesang verzaubern und spendete am Schluß langen Applaus. Raggio di Sol überzeugte mit einem ausgewogenen Klang, klarer Akklamation und einem sicheren Zusammenmusizieren, das in wunderbarer Weise von Alfredo Ihl geleitet wurde. Text und Foto: Michael Penkuhn-Wasserthal