Rüstzeit für Kompaniefeldwebel („Spieße“)
Ev.-luth. Militärkirchengemeinde St. Stephanus - Munster
Eine Rüstzeit für Kompaniefeldwebel („Spieße“) führte das Evangelische Militärpfarramt Munster III  in der Zeit vom 10. – 12.04.2018 durch. Auf den Spuren des Deutschen Bauernkrieges (1524-1525) fuhren zwölf aktive und ehem.  Kompaniefeldwebel unter dem Thema: „Wenn Ideen radikal werden“ über Bad Frankenhausen nach Mühlhausen in Thüringen. Das Programm wurde von Pfarrhelfer Christian Sell und Militärpfarrer Dr. Jobst Reller geplant und vorbereitet. Letzterer hatte auch die Leitung. Das erste Ziel war das Panorama Museum  in Bad Frankenhausen, wo 1525 die letzte große Schlacht des Deutschen Bauernkrieges stattfand. Das Museum zeigt ein monumentales Panoramabild über den Bauernkrieg. Das Zentrum der Darstellung zeigt die Schlacht mit Thomas Müntzer im Mittelpunkt. Das Bild ist 123 m lang und 14 m hoch und entstand in den Jahren 1976 bis 1987 und ist ein Werk des Leipziger Malers und Kunstprofessors Werner Tübke. Während der Weiterfahrt nach Mühlhausen konnte man in der Ferne den schiefen Turm der Oberkirche in Frankenhausen erkennen. Die Spitze ist inzwischen bei 4,60 Metern außerhalb des Lots. Der Turm hat damit die größte Schieflage aller Türme in Deutschland. Nach dem Abendessen, einer Abendandacht und einer Vorstellungsrunde wurde ein Stadtbummel durch die Altstadt Mühlhausens durchgeführt. Vorbei an der Nikolaikirche entlang der Stadtmauer mit dem Inneren Frauentor zur Marienkirche. In dieser Kirche wirkte Thomas Müntzer; sie ist heute eine Gedenkstätte.  Müntzer war zunächst ein Anhänger und Bewunderer Martin Luthers. Wegen seiner radikalen Bestrebungen, die sich in kämpferischen Texten und Predigten zeigten, distanzierte sich Luther zu Beginn des Bauernkrieges von ihm. Der Stadtbummel endete an der Kornmarktkirche, wo in gemütlicher Runde der Abend ausklang. Nach einer Morgenandacht führte Dr. Reller in das Thema ein. Ein Film über den Bauernkrieg und das Wirken Thomas Müntzer erleichterten den Gesprächseinstieg. Hierbei wurde über die Ursachen und Hintergründe der Radikalisierung früher und heute intensiv diskutiert. Nach einer Kaffeepause hatten die Kompaniefeldwebel noch Gelegenheit, sich über die heutigen Herausforderungen im täglichen Dienst auszutauschen. Auch hier entstand eine rege Diskussion. Am Nachmittag wurde das Bauernkriegsmuseum im alten Kornspeicher besucht und anschließend ein Stück der größtenteils erhaltenen Stadtmauer auf dem Wehrgang abgegangen. Am letzten Tag der Rüstzeit, während der Rückfahrt nach Munster, gab es noch einen Halt beim ehem. Kloster Volkenroda. Die u. a. durch die Predigt Thomas Müntzers fanatisierten und aufständischen Bauern nahmen am 29. April 1525 das fast ungeschützte Klostergebäude im Handstreich ein, plünderten und zerstörten es. Die ehemalige ringförmige Klostermauer und Reste der Kirche sind bis heute erhalten geblieben. Nach einem Rundgang durch die ehem. Klosteranlage führte Dr. Reller eine Abschlussandacht durch und sprach den Reisesegen aus. Im nächsten Jahr wird die Kompaniefeldwebelrüstzeit vom katholischen Militärpfarramt in Munster angeboten und durchgeführt. Text: Heiko Müller